Aṣṭāṅga Yoga – achtblättrige Yogsblüte

Mit aṣṭāṅga-Yoga wird heutzutage zumeist die vinyāsa-Tradition nach T. Krishnamacharya assoziiert. Ein Yoga, der sich hauptsächlich den āsana und prāṇāyāma widmet. Allerdings entstand aṣṭāṅga-Yogs bereits viele Jahrhunderte zuvor und wurde erstmals von Patañjali in seinem Standardwerk der Yoga-Philosophie, dem Yoga-Sutra, beschrieben. Wer den Bedeutungsursprung des wortes aṣṭāṅga kennt, wird verstehen, was sich hinter diesem System verbirgt. Die Bedeutung hinter dem Begriff bedeutet nämlich “acht Glieder” bzw. wird auch häufig als “achtblättrige Yogablüte” übersetzt (aṣṭa = acht und āṅga= Glieder). Die acht Glieder beziehen sich hierbei auf das Praxis des Yoga.

Die acht Schritte der “achtblättrigen Yogablüte” mit Ihrer deutschen Bedeutung sind folgende:

  1. yama = „äussere Regel“, ethisch-moralische Regeln, Umgang mit anderen
  2. niyama = „innere Regel“, Umgang mit sich selbst
  3. āsana = Körperpositionen, Sitzhaltung
  4. prāṇāyāma = Atemkontrolle
  5. pratyāhāra = Sinneszurückziehung
  6. dhāraṇā = Konzentration, Kontemplation (Sammlung)
  7. dhyāna = Meditation (Loslassen)
  8. samādhi = Versenkung, überbewusster Zustand (Einung)

Dabei ist im Westen unter aṣṭāṅga-Yoga die komprimierte Form der Praxis bekannt, nämlich bloß āsana sowie prāṇāyāma. Das Yoga-Sutra besagt allerdings, dass erst die grundlegenden Regeln des Yoga praktiziert und erlernt werden müssen, um in die höheren Praktiken der “achtblättrigen Yogablüte” dhāraṇā, dhyāna und samādhi überzugehen. Wie schon in einem anderen Blogbeitrag von mir zum Thema “Yoga und Bewusstsein – kriyā yoga” erwähnt, ist das höchste Ziel der Yoga-Praxis die Bewusstwerdung und die Befreiung von allen Verstrickungen des Lebens.

  • bahiraṅga (äußere Glieder: yama, niyama, āsana, prāṇāyāma)
  • antaraṅga (innere Glieder: dharaṇa, dhyāna, samādhi)

Ohne hier auf die einzelnen Glieder zu sehr eingehen zu wollen, die eigentlich eines eigenen Kapitels bedürfen, sind zunächst die unteren Stufen und Richtlinien “abzulegen”, bevor der Übergang von  bahiraṅga (äußere Glieder: yama, niyama, āsana, prāṇāyāma) zu antaraṅga (innere Glieder: dharaṇa, dhyāna, samādhi) vollzogen werden sollte. Mit dem Glied der Sinneszurückziehung, pratyāhāra, schlägt Patañjali eine Brücke zwischen äußeren und inneren Gliedern. Die Sinneszurückziehung bereitet auf die Ausrichtung von Außen nach Innen vor und ist eine gute Vorbereitung auf die Konzentrations- und Meditationstechniken.

Auch auch achte Schritt samādhi wird von Patañjali als als notwenige Übung angehen, um sich von der Vorstellung eines Objektes zu lösen und in die “keimlose Versenkung” nirbīja samādhi überzutreten, Und immer wieder sei betont:  So wie viele andere Yoga-Traditionen hat auch die Praxis des aṣṭāṅga-Yoga die Bewusstwerdung und als letztes großes Ziel die “keimlose Versenkung” im Sinne. Dann erst kommen die geistigen Wellen, Gedanken, Wünsche und Vorstellungen zur vollkommenen Ruhe und die Seele wird (be-)frei(t) (jīva mukti).

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